Nachklang Wildnisreise auf dem Fluss - Tagliamento 2013

Zu Beginn und die ersten Tage

Die Ankunft in Italien war ja wirklich spannend heuer. Tageshöchsttemperatur 9° Celsius. Unsere Frage: Was ist bloß mit den anderen 20°C passiert?

Zeugen waren bezuckerte Alpengipfel rings um den Einstiegsort herum. Sah auch wirklich nett aus.

Dann, der Wasserstand: Er war durchaus hoch, jedoch nicht zu hoch. Das sorgte für die erste Nervositätsentladung. Die zweite folgte mit der Beobachtung, dass der Wasserstand täglich, sogar halbtäglich merklich sank.

Damit war entschieden, was dieses Mal überhaupt nicht "Sonnen"-klar war: Wir setzen ein.

Am ersten Campplatz nutzten wir eine weihergroße Pfütze, den bezüglich Paddeltechniken nicht bewanderten Teilnehmern einen ersten Schliff zu geben und mit den einzelnen Schlägen bekannt zu machen. Das hat gut geklappt.

Damit starteten wir tags drauf gleich los - in leichter Art ohne das ganz Campgepäck - mit dem Auto flußaufwärts, um spätnachmittags wieder am gleichen Platz anzukommen.

Das war schon mal das erste Abenteuer und das Wasser ist wirklich toll, wenn so viel davon da ist.

Erst am folgenden Tag packten wir unsere Siebensachen und befüllten damit unsere Kanus. Nun waren wir komplett auf uns selbst angewiesen und reisten auf dem Fluß - ein wirklich großartiges Gefühl!

Die Mitte des Films

Bevor es losging, überbrachte uns unser Fahrer und Begleiter Peter eine sehr freudige Botschaft: 

Das sonst wirklich IMMER um diese Zeit trockene Stück - immerhin einige Kilometer lang - war befahrbar! Welch tolle Nachricht.

Wir bezahlten also brav mit dem Trotzen von Regen und so manchem Gewitter. Wobei die Gewitter dort am Fluß wirklich die erstaunlichsten sind, denen wir bisher begegnet sind. Oft tänzeln sie kilometerweit durch die Region, mal dahin, mal dorthin, nur um am Ende doch direkt über dem Kopf abzuregnen. Dennoch großartig!

Die Fahrt ging bis Höhe Morsano, mit Pausen bei Pinzetto. Erstaunt waren wir auch über das neue Zeitgefühlt bei diesem Wasserstand: Die sonst so langen Strecken waren kürzer, ebenso lösten die letztjährigen langen Sonnenpausen eher knappe Regenstopps ab. An der Cimano-Brücke konnten wir einen wirklich riesigen Vogel am Strommasten sitzen sehen. Allerdings schien er nicht 100% in Ordnung zu sein. Dann war ihm unsere Aufmerksamkeit zu drückend und flog weg. Die Jungs und ich sind natürlich gleich hinterher - er kann ja nicht weit sein! Nichts mehr. Aber aufgepasst: Was sind das für Spuren?! Nicht selten, sondern eher oft findet man dort wirklich große Paarhufer-Spuren verschiedener Tiergattungen. Nach dem kleinen, aber wirklich spannenden Tracking-Ausflug ging's mit den Booten weiter.

Unbekanntes Gewässer erwartete uns - das sonst trockene Stück beginnt bald nach der Spilimbergo-Brücke. Quer- und Scherströmungen als auch Strudel an Unterwasserkanten sorgten für Erstaunen und trainierten die Paddelfähigkeiten doch nochmal. Das war schon spannend.

Am Rande des Hochwasserschlamms und etwas unterhalb der Morsano-Brücke errichteten wir unser Camp. In einer wirklich anmutigen Bächlein-Landschaft, die am nächsten Tag dann prompt versiegte, speisten und unterhielten wir uns Abends am Feuer.

Das Finale bis zum Meer

Am nächsten Tag ging es gleich weiter - noch eine enge Durchfahrt, unter die Autobahn, wo die Brücke an emporragenden Betonpfeilern 7 Meter hohes Baumstamm-Mikado mit dem Fluß spielt.

Das Vogelgebiet war recht karg befiedert. Hi und da sahen wir einige Grau- oder Kuhreiher.

Dann wurde der Fluß merklich ruhiger, der Kies wich dem Amazonas-Gefühl mit sehr viel Grün am Ufer.

Das nächste Camp kundschafteten wir zuerst aus, nachdem eine Schlammüberflutung das Anlanden an der bekannten Stelle unmöglich machte. Dafür war's aber recht spaßig, den eigenen Schuh im 1/2 Meter tiefen Schlamm wiederzufinden, nachdem er sich unweigerlich dort festgesaugt hatte.

Ein geniales Camp erbauten wir hier - mehrfach ordentlich abgespannt und wirklich windfest. Das sollte sich auch noch als nötig erweisen, nachdem uns Wind und Regen wieder einmal einen Besuch abstatteten. 

Zuerst glaubten wir, die Flut würde sich schon so deutlich zeigen. Später, als nach Stunden das Wasser noch immer stieg, war klar, dass es weiter flussaufwärts wieder mehr regnete. Das Wasser hörte nicht zu steigen auf.

Etwas beunruhigt und dauernd daran denkend sprang ich früh morgends auf und schaute nach den Booten. Gerade noch rechzeitig, denn zwei der insgesamt vier Boote waren schon im Wasser und lagen dort (NOCH!) auf Grund. Welch' unglaubliches Glück! Schnell retteten wir die Boote.

Nach dem Frühstück waren wir uns nach einigem Zuwarten einig, dass es keinen Sinn macht, einen Trommelfellschaden durch auf die schallverstärkende Campplane fallende Regentropfen zu riskieren. Regnen kann es ja auch, wenn wir im Boot sitzen. Und siehe da, da macht es einem gar nicht mehr so viel aus.

Unsere Etappe war schon wieder etwas kurz. An der letzten Stelle, die wir eigentlich als Übernachtungscamp planten, überstimmten demokratisch die Teilnehmer die Meinung der Teamer. Also fuhren wir weiter bis zum - MEER!

Auf dem Weg dorthin erwartete uns ein riesiger Frachter und sorgte für Paddelspaß mit seinen großen Bugwellen.

Nicht lange, da waren wir am Strand - das letzte Stück im Meer paddelnd.

Nach der durch die Wetterlage doch fordernde Tour waren letztlich nicht nur die Teilnehmer froh, nach dem Check-In am Campingplatz endlich warm zu Duschen.

Später fanden wir uns an der Tafel zu einer wirklich original italienischen Pizza zusammen, die dort unten - liege es an was es wolle - noch immer am Besten schmeckt.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns vom Fluss, packten gemütlich unsere Sachen und reisten ab.

An dieser Stelle möchten Barbara und ich allen unsere Teilnehmer danken
Besonderem Dank gilt Michael Wowk, unserem Helfer, der in jeder Situation gelassen war und mit dem richtigem Wissen oder Esprit geholfen hat.

Herzlichen Gruß, Sam